Die Nikon Coolpix L120 weiß schon vor dem ersten Einschalten zu begeistern, keine Frage. Sie liegt super in der Hand, fühlt sich griffig und irgendwie ansprechend an ... und sieht auch vom Produktdesign her ganz schön schnieke aus. Sie ist wesentlich kleiner und handlicher als die Produktfotos glauben machen, allerdings bei weitem keine Kompaktkamera mehr. Aber ist ja auch nicht der Anspruch des ganzen. Die Ausstattung beinhaltet neben den nötigen Kabeln auch einen Tragegurt, einen Objektivdeckel (samt Halteschlaufe), die entsprechende Software auf CD sowie ein Starterset AA-Batterien.
Bei der Stromversorgung kann man sich nun streiten, ob die AA-Bestückung nun gut oder schlecht ist. Ich habe 2x4 Sanyo Eneloop Akkus und ein hochwertiges Ladegerät, welches die Akkus auch entsprechend pfleglich be- und entlädt, dahingehend habe ich keine Probleme damit. Zumal mit AA-Batterien wirklich in jedem Winkel der bewohnten Welt Nachschub auftreibbar sein sollte, falls die Akkus dann doch mal endgültig leer sein sollten. Alles in Allem also gar nicht mal unpraktisch ... und vermutlich eine Frage der persönlichen Präferenzen.
Zur Bedienung: gleich beim ersten Anschalten fällt auf, dass der Objektivdeckel immer vor dem Anschalten entfernt werden muss, da das Objektiv automatisch ausgefahren wird. Wenn man nur mal schnell durch seine Aufnahmen skippen will oder ähnliches, eine etwas nervige Prozedur. Im Betrieb weiß die Kamera allerdings auf vielen Ebenen zu begeistern: die Scene-Programme sind soweit funktional und bringen weitesgehend sehr gute Bilder. Die Farbwiedergabe, die Schärfe und das Rauschverhalten sind sehr ansprechend, allerdings passen die Programme nicht zu allen Lebenslagen. So konnte ich zB keine geeignetes Preset für Konzertfotografie entdecken, da ist dann manuelles Regulieren gefragt. Der 21-fache optische Zoom hingegen ist absolut genial für genau solche Dinge, mittendrin statt nur kurz davor ... wenn auch der Autofocus bei maximalem Zoom nur noch bei optimalen Lichtverhältnissen seinen Dienst zu tun vermag.
Sehr angenehm fallen auch die Bedienelemente auf: der Zoom kann linker wie auch rechter Hand betätigt werden, alles ist einhändig gut erreichbar und leicht zu betätigen. Die Druckpunkte des Auslösers hätten etwas knackiger sein können, aber das ist Gewöhnungssache. Praktisch auch die Buttons für Blitz oder Makro, hier hat man auf Tastendruck sofort alles zur Verfügung. Der Bildschirm ist brillantklar und hochauflösend genug, um sein Bild abschätzen zu können, allerdings wäre ein Sucher vermutlich hier und da praktisch gewesen (besonders bei starker Sonneneinstrahlung wird's schwer, das Display optimal im Blick zu behalten). Softwaretechnisch funktioniert hier alles tadellos, die Menüs sind übersichtlich strukturiert und beschriftet, sämtliche Einstellungen können auch ohne Blick in's (pdf-)Booklet getätigt werden. Es sei der Vollständigkeit halber aber erwähnt, dass es hier aus ungeklärten Umständen bereits einen Absturz gab, bei dem keine der Tasten mehr reagierte und die Bildschirmauswahl wie wild über die Menüs hüpfte. Aber das klassische "turning it off and on again" hat sämtliche Probleme behoben. Ist bisher auch nie wieder aufgetaucht ...
Zu den Bildern: mit entsprechender Beleuchtung schafft die L120 nahezu tadellose Bilder, wie sie keine Kompaktkamera hinkriegen würde. Ich war zum Großteil begeistert. Bei mittelmäßigen bis schlechten Lichtverhältnissen hingegen bedarf es etwas fototechnischen Geschicks, noch optimale Bilder zu schaffen, denn da reichen die Presets nicht mehr aus. Wenn man aber einmal die Stärken und Schwächen der Kamera und des Sensors kennt, ist es nicht weiter schwer, die entsprechenden Einstellungen für gute Bilder zu finden. Autofocus und Bildstabilisator funktionieren tadellos, obwohl ich mir persönlich noch einen komplett manuellen Focus bzw. eine Option zur Fokuszentrierung gewünscht hätte. Aber es ist und bleibt nunmal eine Bridgecam. Ab und an musste ich etwas frustriert feststellen, dass die Automatik fehlendes Licht gut und gern mal durch extrem lange Belichtungszeiten zu komensieren versucht, was selbst mit Stabilisator sehr schnell zum Verreißen oder generell unscharfen Aufnahmen führen kann.
FAZIT: alles in allem hat Nikon mit der L120 eine erschwingliche Bridgecam für den ambitionierten Hobbyfotografen auf den Markt gebracht. Zwischen kompletter Automatik über Presets bis zur Modifikation diverser Einstellung von Weißabgleich bis ISO werden dem Benutzer hier Möglichkeiten geboten, die dem Fotografen entweder Arbeit abnehmen oder Spielraum zur Gestaltung lassen, wenn auch eher begrenzt.
Wer einfach eine gute Kamera für den privaten Gebrauch sucht, mit Kompaktkameras aber unzufrieden, mit DSLR-Kameras allerdings überfordert ist ... hier wäre eine Option am unteren Ende des Komplexitätsspektrum zwischen Amateur und Profitechnik. Wer nach eher künsterlichen Gestaltungsmöglichkeiten sucht, sollte sich vielleicht eher im Bereich Systemkameras umsehen, wer einfach nur drauflosknipsen will, dem reicht wohl eine Kompakte. Innerhalb dieses Spektrums sei allen dazwischen gesagt: die Nikon Coolpix L120 ist eine empfehlenswerte Bridgekamera und macht (zum Teil selbst ohne das nötige Know How) wirklich ziemlich gute Bilder. Und darum sollte es ja auch gehen ...
Anmerkung: Die Videofunktion habe ich bisher nicht getestet, da ich bisher keine Verwendung dafür finden konnte ... ich bitte diesbezügliche andere Rezensionen zu befragen

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