Da über die hohe technische und funktionelle Qualität der NX 11 hier schon viel und ausführlich geschrieben wurde, will ich auf die Technik nur kurz eingehen und den Schwerpunkt auf die Frage legen, für wen dies die richtige Kamera sein könnte.
Auf den ersten Blick hat man tatsächlich fast den Bedienkomfort und die Bildqualität einer analogen Spiegelreflexkamera, dazu noch die vielen Funktionen guter, teurer digitaler Kompaktkameras. Es wird wohl kaum jemand alle Funktionen regelmäßig ausnutzen. Aber mit ihrer Hilfe wird man eine Nachbearbeitung der Bilder auf dem PC weitgehend vermeiden können. Neben dem Monitor ist die Zoom-Einstellung über den Objektiv-Einstellring gegenüber dem Motor-Zoom der Kompaktkameras ein deutlicher Vorteil.
Dass der vergrößerte Bildsensor sich bezahlt macht, überrascht nicht. Der Monitor ist so gut geworden, dass man das Motiv auch bei voller Sonneneinstrahlung noch recht gut erkennen kann - noch besser geht's natürlich über das Okular. Die Leistungsfähigkeit der Software ist erstaunlich: Im universellen Automatikmodus Smart" (wie auch in den Szenen" genannten Motivprogrammen) ist es kaum möglich, technisch schlechte Bilder zu machen - dies ist mir nur durch bewusste manuelle Verschlimmbesserungen gelungen. Die Kamera ist insgesamt sehr benutzerfreundlich und intuitiv zu bedienen. Das große Display ermöglicht es, dass man ohne wesentliche Einschränkung des Blicks auf das Bild Symbole und Werte gewissermaßen als Rahmen um das Bild einblenden kann. Da werden z. B. im Smartmodus die Symbole der Motivprogramme eingeblendet und das automatisch ausgewählte markiert. Ist man wider Erwarten der Meinung, ein anderes Szeneprogramm wäre für die gewünschte Gestaltung besser, kann man z.B. über die iFn-Taste und Drehen am Focusring des Objektivs ein anderes Programm einstellen - ohne die Kamera abzusetzen! Die Automatik kommt hervorragend mit Gegenlicht klar. Erstaunlich ist auch die Qualität der Panoramafotos. Bewegt man im entsprechenden Modus (aus der Hand, ohne irgendwelche Hilfsmittel) die Kamera um (sogar spürbar mehr als) 180 Grad, schießt die Kamera (abhängig von der gewählten Brennweite) ca. 15 Bilder. Diese setzt das Prozessor-Programm dann zu einem gestochen scharfen Panoramabild zusammen. (Auch bei Vergrößerung auf dem PC-Monitor konnte ich weder horizontal noch vertikal Fehler erkennen.) Neben der selbstverständlichen Gesichtserkennung gibt es ein Beauty-Shot"-Programm, das z.B. Gesichtshautunreinheiten kaschieren soll. Interessant ist (und kann zu manuellen Korrekturen oder Zoomen veranlassen), dass bei halbem Druck auf den Auslöser im Sucher (oder Monitor) die Focus-Felder angezeigt werden, welche die Automatik ausgewählt hat.
Das eingebaute Blitzgerät kann man mit den üblichen Kompromissen als gut bezeichnen. Leider kann man wohl nur auf die von Samsung empfohlenen externen Blitzgeräte zurückgreifen (vor Fremdfabrikaten warnt das Benutzerhandbuch). Zumindest mein gutes Metz-Geräte arbeitet nicht mit der Kamera zusammen.
Wer nur" technisch exzellente Fotos machen möchte, braucht das Modus-Wählrad nur auf Smart" zu stellen, am Objektiv die Brennweite einzustellen und abzudrücken. Um später den Knopf zur Anzeige der Fotos zu finden, muss der blutige Digital-Anfänger vielleicht auf das Bild zur Beschreibung der Rückansicht der Kamera in der gedruckten Kurzanleitung sehen. (Akku- und Chip-Fach findet er sicher auch so.)
Wer mehr machen möchte und Digitalkameras kennt, wird dieses Büchlein für die vielen Einstellmöglichkeiten sicher auch nur sehr selten benötigen. Das 147 Seiten lange PDF-Benutzerhandbuch braucht wohl nur der Digital-Anfänger. Die Kamera ist m. E. makellos, das zum Kit gehörige 18-55mm-Objektiv für sich genommen auch (mal abgesehen vom vielfach kritisierten Plastegewinde). Aber: Wer etwas ambitionierter fotografiert, muss sich das 50-200mm-Telezoom dazukaufen - und dann leider auch mal wechseln und etwas mehr mit sich herumschleppen.
Auch ambitionierte Hobbyfotografen wollen zu manchen Anlässen zwar nicht ohne Kamera, aber nicht unbedingt mit ihrer voluminösen und schweren Spiegelreflexausrüstung gehen. Für diese wäre die Samsung NX 11 ideal - aber dann mit einem Zoomobjektiv wenigstens vom Brennweitenbereich 18 - 150! Den Spiegelreflex-Puristen stört sicher auch, dass (durch die Auflösung systembedingt) bei sehr schlechten Lichtverhältnissen das Bildrauschen auf dem Monitor (und etwas mehr im Okular) die manuelle Scharfstellung erschwert. Sobald es ein geeignetes Zoomobjektiv gibt, das auch Makroaufnahmen und Teleaufnahmen ermöglicht, werden sicher viele normale" Hobbyfotografen statt auf eine Spiegelreflexkamera zu setzen, zu einer Systemkamera wie der sehr guten NX 11 greifen. Da nicht das Gehäuse, sondern das ganze Kit zu bewerten ist, vergebe ich nur 4 Sterne - es fehlt einfach ein Superzoom!

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