Für gewöhnlich können mich Kompaktkameras nicht überzeugen, da die Bildqualität aufgrund des Megapixel-Wahns seit Jahren eher rückläufig ist. Umso erstaunter war ich, nachdem ich die Casio EX-H30 ausgiebig getestet hatte. Immerhin kommt die Kamera mit einem 16.1 Megapixel 1/2,3" CCD-Sensor daher, also in etwa die Auflösung aktueller DSLR-Kameras auf einer circa 12-fach kleineren Chipfläche - Rauschen ohne Ende?
Erstaunlicher weise nicht, auch wenn man den JPEG-Bildern in der 100%-Ansicht ansieht, dass Casio schon einen sehr aggressiven Rauschfilter benutzt um der Lage Herr zu werden. Dieser geht allerdings sehr filigran zu Werke und produziert nur sehr selten größere Artefakte, im Normalfall bleiben auch feinere Details erhalten. In Kombination mit einem guten und nicht zu aufdringlichen Scharfzeichner kommen so gut aufgelöste und verhältnismäßig rauschfreie Bilder zustande.
Genaue Aussagen über das eigentliche Kamera-Rauschverhalten lassen sich leider nicht treffen, da die Kamera keinen RAW-Modus für die aufgenommenen Bilder besitzt und sich auch der Rauschfilter nicht deaktivieren lässt. Schade für den ambitionierten Hobbyfotografen, kein Beinbruch für den Durchschnittsnutzer und Fotoalltag.
Die verbaute Optik scheint mit der Elektronik nicht immer mithalten zu können, im Nah- und Makrobereich liefert sie zwar gute Ergebnisse, der Telebereich gehört jedoch genauso wenig zu den Stärken der Exilim EX-H30-Optik wie Landschaftsaufnahmen. Auch an Kontrastkanten zeigt sich stellenweise eine starke chromatische Aberration, was beispielsweise als bläuliches "glühen" beim abrupten Übergang von weißen auf schwarze Flächen zu erkennen ist.
Ebenfalls zu den negativen Seiten gehört die Belichtungsautomatik, die zwar in dunkleren Szenerien gut arbeitet, in sehr hellen Umgebungen jedoch zum Überbelichten und zu kalten sowie leicht grün-stichigen Farben neigt. Hier sollte Casio noch etwas via Firmware-Update nachhelfen.
Ebenfalls weniger gelungen ist der 720p24-Videomodus, welcher mit einer Motion-JPEG-Kompression arbeitet und damit auch bei wenig Bewegung im Bild zu Kompressionsartefakten neigt. H.264 wäre hier eindeutig eine bessere Wahl gewesen. Der aufgenommene Ton klingt etwas dumpf/blechern, was jedoch auf praktisch jede aktuelle Kompaktkamera zutrifft.
Für die EX-H30 spricht wiederum die Möglichkeit während der Aufnahme zu zoomen sowie die automatische Helligkeitsreglung und Fokussierung während der Filmaufnahme - auch wenn der Autofokus hier träge reagiert und gerne einmal 3-5 Sekunden zum Scharfstellen benötigt.
Ich habe auf YouTube mal ein Demo-Video in HD-Auflösung geladen, damit sich jeder einen Eindruck davon machen kann: http://www.youtube.com/watch?v=7j1TMAViGeM&hd=1
Die Verarbeitungsqualität wirkt auf jeden Fall hochwertig. Keine scharfen Kanten, wackelnde Teile oder fehlerhafte Lackierung. Auch das Display wurde gut in den Rahmen integriert und liefert ein gutes Bild, in hellen Umgebungen wäre jedoch etwas mehr Display-Helligkeit wünschenswert gewesen. Praktisch: Auch während der Film-Vorschau kann in das laufende Video gezoomt werden.
Fazit: Eine Kompaktkamera mit guter Bildqualität und Verarbeitung, einem brauchbaren HD-Videomodus und allgemein vielen Kleinigkeiten, die noch per Software-Update behoben werden können und sollten. So vergebe ich erst einmal 4 Sterne - Sollte es größere Änderungen geben, werde ich die Rezension noch einmal entsprechend bearbeiten.

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